Bericht von der Einwohnerversammlung am 17. Juni 2026

Bürgerbeteiligung

Rund 60 Bürgerinnen und Bürger und elf Mitglieder des Gemeinderates sind der Einladung von Bürgermeister Klaus Hoffmann zur Einwohnerversammlung nach Paragraf 7, Absatz 4 der Satzung für Bürgerbeteiligung i.V.m. § 20 a der GemO ins Kurhaus gefolgt.

Seitens der Verwaltung waren neben dem Bürgermeister Hauptamtsleiterin Ilona Störner-Meier, Bauamtsleiterin Friederike Zapf und Christian Siebje von der Koordinierungsstelle Bürgerbeteiligung dabei. Als Gäste der Verwaltung und Referenten zu den Themen strategische Entwicklung des Tourismus und Therme waren René Skiba, GF der Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald und Jens Walter, GF der Stadtwerke Bad Herrenalb GmbH geladen. Die Bürgerbeteiligung war durch Sascha Ott vertreten, der auch die zweite Hälfte der Koordinierungsstelle bildet.

Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister wurden die Sachvorträge anhand von Präsentationen gehalten. Nach jedem Sachvortrag konnten die Bürgerinnen und Bürger Fragen stellen.

Den Anfang machte Hauptamtsleiterin Störner-Meier. Als größte Herausforderungen nannte sie die zu erwartende Einführung des verpflichtenden letzten Kindergartenjahres und die Umsetzung der verpflichtenden Ganztagesangebote für Schüler der Klassen von 1- 4 bis zum Jahr 2030. Auf Nachfragen aus dem Publikum erklärte sie, dass die Anzahl der Kindergartenplätze aktuell ausreicht, es jedoch seit dem letzten halben Jahr einen so starken Anstieg bei den Anfragen nach Ganztagsbetreuungsplätzen für die Schulkinder gab, dass nicht alle Schüler einen Platz erhalten konnten.

Von herausfordernden Projekten berichtete auch Bauamtsleiterin Zapf. Bereits in Durchführung ist der Breitbandausbau in Rotensol, jedoch verläuft dieser schleppender als geplant. Als Grund nannte Zapf, dass ein Subunternehmer abgesprungen ist, was zu den Verzögerungen und zu der nicht immer optimalen Durchführung der Bauarbeiten geführt hat. Dies zu kontrollieren ist aber während der Bauzeit Sache von Netze BW, während das Bauamt für die Endabnahme zuständig ist.

Auf Nachfrage eines Bürgers nach den Sachständen bei den alten Kliniken in der Ettlinger Straße und der Kullenmühle, antwortete Zapf, dass die alte Celenus-Klinik über Ebay-Kleinanzeigen zum Verkauf angeboten wird. In der Kullenmühle hat man es leider mit einem Eigentümer zu tun, der nicht auf die Kontaktaufnahmeversuche des Bauamtes reagiert. Aufgrund der Gefahren, die von dem Grundstück ausgehen, hat das Ordnungsamt aber bereits Bußgelder verhängt, die zwar bezahlt wurden, aufgrund der geringen Höhe aber keinerlei positive Wirkung gezeigt haben. Grundsätzlich ist die Situation dort so unbefriedigend, dass die Verwaltung derzeit dabei ist, sich juristischen Rat darüber einzuholen, ob man eine Ersatzvornahme anwenden kann und soll.

Ein anderer Bürger fragte nach dem Sachstand bei der Machbarkeitsstudie zur Geothermie-Bohrung. Hierzu erklärte die Bauamtsleiterin, dass die Bohrung derzeit wohl eher nicht nutzbar und die Menge des zu erwartenden Wassers zu gering ist. Sie erwartet, dass im August oder September dieses Jahres konkretere Ergebnisse vorliegen.

Ein Bürger erinnerte daran, dass die Bürgerbeteiligung vorgeschlagen hatte, die Planungen für eine naturnahe Umgestaltung der Schweizerwiese als Studienarbeit an Studierende der Landschaftsarchitektur zu vergeben, um das Projekt möglichst kostengünstig umzusetzen. Er wollte wissen, ob dies mittlerweile angegangen wurde. Bürgermeister Hoffmann erklärte, dass die Verwaltung bei mehreren in Frage kommenden Hochschulen angefragt, aber bisher nur negative Antworten bekommen hat. Verwaltung und Gemeinderat müssen hier über das weitere Vorgehen beraten.

Für die Koordinierungsstelle der Bürgerbeteiligung sprach Sascha Ott. Er betonte, dass es noch keine städtische Gesamtstrategie gibt, sondern nur ein Leitbild. Ein Grund dafür ist, dass zwei wichtige Handlungsfelder, Tourismus und Wirtschaft, bisher keine Strategiedefinitionen vorgelegt haben. Angegangen werden soll kurzfristig vor allem die strategische Ausrichtung des Tourismus. Dazu ist es notwendig, dass Bürgerbeteiligung, Experten aus der Verwaltung und touristische Leistungsträger gemeinsam eine für alle umsetzbare Strategie entwickeln.

Nach den Vorträgen von Jens Walter und René Skiba standen die Wertschöpfung durch den Tourismus und das Marketingkonzept Tourismus/Therme, bzw. dessen Fehlen, wie ein Bürger kritisierte, im Fokus. Zur Wertschöpfung im Tourismus erläuterte Skiba, dass es hier keine Zahlen für Bad Herrenalb nennen kann, für den Landkreis Calw aber Zahlen ermittelt wurden. Diese besagen, dass im LK Calw jährlich 326 Millionen Euro brutto Umsatz durch den Tourismus generiert werden. Im Durchschnitt generiert jeder Übernachtungsgast 130 Euro pro Übernachtung an Umsatz. Dies beinhaltet nicht nur die touristischen Leistungsträger, sondern auch Dienstleister und Handwerksbetriebe, die indirekt vom Tourismus profitieren.

Zum Marketingkonzept und die Strategie für die Herrenalber Touristik erklärte Jens Walter, dass diese in Arbeit sind und in groben Zügen bereits vorliegen.

Eine Bürgerin sprach abschließend die Sparmaßnahmen der Verwaltung beim Blumenschmuck und der Weihnachtsbeleuchtung an. Sie betonte dabei, dass eine Tourismusstadt im Schwarzwald auch nach Schwarzwald aussehen muss, farbenfroh, üppig und einladend. In seiner Antwort verwies Bürgermeister Hoffmann zuerst auf den Beschluss des Gemeinderates, die Weihnachtsbeleuchtung für 2025 nicht anzubringen. In Bezug auf den Blumenschmuck erinnerte der Bürgermeister daran, dass das Landratsamt Calw in den letzten vier Jahren in den Sommermonaten die Entnahme von Oberflächenwasser strikt untersagt hatte und alle dazu aufgefordert sind, mit Wasser sorgsam umzugehen. Die Verwaltung hat deshalb ganz bewusst pflegeleichte und wenig Wasser verbrauchende Pflanzen ausgesucht.

Zum Abschluss bedankte sich Bürgermeister Hoffmann bei den Anwesenden und wies auf den öffentlichen Strategie-Workshop hin, in dem die Ergebnisse der Einwohnerversammlung aufgearbeitet werden. Dieser findet voraussichtlich am 23. September im Kurhaus statt. Die Einladung dazu wird rechtzeitig veröffentlicht.

Die Präsentationen, die an diesem Abend gezeigt wurden, stehen unter Downloads zum Herunterladen und Nachlesen zur Verfügung.