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Kaum zu toppen- Internationales Klavierduo-Festival Bad Herrenalb 2009

Auf halber Strecke zwischen Baden-Baden und Pforzheim, im kleinen, aber feinen Kurort Bad Herrenalb, trafen sich Ende Mai diesen Jahres Klavierenthusiasten zum 7. Internationalen Klavierduo-Festival. Etablierte Ensembles von internationalem Format, hoffnungsvolle Nachwuchsduos und jede Menge Fans bevölkerten für vier Tage das Tal im Naturpark Schwarzwald Mitte/ Nord.

Wie schon in den Jahren zuvor, war es Christoph Sischka, Professor für Klavier an der Hochschule für Musik Freiburg und selbst aktiver Klavierduospieler von internationalem Format, gelungen, ein ebenso anwechslungsreiches wie interessantes Programm an Konzerten und Vorträgen für das Festival zusammenzustellen. Das Allein ist aber nicht genug, denn als besonderes Herzstück hat sich mit den Jahren der dazugehörende Wettbewerb für junge Klavierduos (in Zusammenarbeit mit "Jugend musiziert") fest etablieren können. Diesem kam dieses Jahr eine besondere Bedeutung zu, da nur kurz nach dem Festival der Bundeswettbewerb "Jugendmusiziert" in dieser Duo-Kategorie ausgetragen wurde und es natürlich für viele Duos eine willkommene Gelegenheit zum Testen des Repertoires war. Außergewöhnlich ist bei diesem Wettbewerb, dass neben der Fachjury auch das Publikum aufgefordert ist mitzuwerten. Das stellt einen besonderen Reiz dar, und die zahlreichen Zuhörer haben sich dann auch aktiv und mit Begeisterung an den Wertungen beteiligt.
Insgesamt hatten sich 30 Duos aus dem gesamten Bundesgebiet für den Wettbewerb gemeldet, und so begann das Festival am Donnerstagvormittag mit den ersten Wertungsspielen, gefolgt von zwei Open-Air-Konzerten am Nachmittag. Der locker unterhaltsamen Atmosphäre der Freiluftkonzerte machte aber leider das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Nachdem man bei schönstem Sonnenschein begonnen hatte, folgte bald heftiger Regen, was aber kein Problem für die erfahrenen Konzertveranstalter darstellte. Das Konzert wurde kurzerhand im Kurhaus weitergeführt, und so kamen die (wegen des Wetters leider nur wenigen) Zuhörer in den Genuss, mit Marjana Linsky / Alexander Plotkin und dem Duo Maryam Haiawi / Sebastian Bausch zwei äußerst unterschiedliche junge Klavierduos zu hören, die einen Querschnitt durch die Duoliteratur von Mozart bis ins 20. Jahrhundert darboten.
Erster Höhepunkt war dann am Abend das offizielle Eröffnungskonzert mit den Duos Cara Hesse / Laura Pauna und Adrienne Soós / Ivo Haag. Die Zusammenstellung zweier derart unterschiedlicher Duos in einem Konzert stellte sich als besonders spannend heraus. Nicht nur, weil die Zuhörer grundlegend verschiedene Musizieransätze erleben durften, sondern auch, weil daraus resultierend die Werkauswahl breit gefächert war und man ein sehr breites Spektrum der Interpretationsmöglichkeiten geboten bekam. Während das Duo Hesse / Pauna durch expressive Virtuosität mit Werken von Rachmaninow und Lutoslawski begeisterte, kamen Adrienne Soós und Ivo Haag gleichsam "durch die Hintertür": Gewagt mit der deutschen Erstaufführung von Arthur Honeggers "Symphonie liturgique" (in der Klavierbearbeitung von Dmitri Schostakowitsch) und Debussys Klavierversion der sinfonischen Suite "Printemps", bezauberten sie das Publikum durch ihr farbenprächtiges Spiel und nuancierte Themenarbeit. Der starke Kontrast der beiden Konzerthälften war eine perfekte Ergänzung zueinander.
Abwechslungsreichtum, Klasse und das hohe Niveau des ersten Festival-Tages sollten auch an den folgenden Tagen in den Konzerten bestimmend sein. Nach dem morgendlichen Wettbewerb, der an diesem Freitag zwar eine kleine, aber sehr spielstarke Runde der Altersgruppe VI sah, hielt Anselm Ernst einen hochinteressanten Vortrag zu der viel diskutierten Thematik "Macht Musik schlau?". Ernst zeichnete nicht nur eindringlich die Probleme und Fehlerquellen bei der Lösungsfindung zu solcher Frage nach, sondern erläuterte in unterhaltender Weise den aktuellen Stand der Hirnforschung zu diesem Thema.
Am Nachmittag folgte ein Vortragskonzert zur Urtext-Gesamtausgabe der Werke für Klavier zu vier Händen von Robert Schumann. Joachim Draheim zeichnete zusammen mit dem Klavierduo Ljiljana Borota / Christian Knebel ein klares Bild der in der neuen Ausgabe erlangten Verbesserungen und vergaß auch nicht, das Konzertpublikum mit Anekdoten und "netten Kleinigkeiten" aufzuheitern. So war dieser Nachmittag nicht nur eine notwendige und gelungene Werbung für die neue Notenausgabe, sondern auch in besonderem Maße Werbung für Schumanns Klavierwerk zu vier Händen.
Einen besonderen Höhepunkt gab es an diesem Abend im Thermalbad zu hören. "Erleben" wäre hier eigentlich das richtige Wort, denn was Christoph Sischka sich für diesen Aben dausgedacht hatte, ding weit über das gewöhnliche Konzerthören hinaus. Unter dem Motto "Wasser in allen Aggregatzuständen" wurde das Schwimmbad zum Kulturzentrum, mit Konzert am Wasser und, wenn man wollte, später auch im Wasser. Das Klavierduo Eriko Takezawa / Christoph Sischka und die aus Taiwan stammende Pianistin Hsueh-Fong Chien führten trockenen Fußes durch verschiedenste Wasserwelten, beginnend mit Smetanas eigener Bearbeitung für vierhändiges Klavier seiner "Moldau", stimmungsvoll untermalt mit Fotos einer Moldaureise von Sischka. Nach Franz Liszts "Les jeux d'eau à la Villa" und Graingers "Zanzibar Boat Song" (für sechshändiges Klavier) konnten badewillige Zuhörer ins Becken steigen, um per Übertragung ins Schwimmbad und multimedial mit Farblaser, Nebelmaschine, später auch Kunstschnee untermalt, ganz vom Wasser und Musik eingenommen zu werden. Mit Werken von Mendelssohn, Chopin, Debussy, Nakada und J. Strauß ging es Schwungvoll hinüber zum lockeren, unterhaltsamen Abschluss mit Melodien aus dem Film "Titanic". Hier griff der Leiter des Thermalbades zur Querflöte und spielte gemeinsam mit seinen Profi-Kollegen, die sich vom Flügel im Vorraum des Bades nun ans D-Piano direkt am Wasser gesetzt hatten, einen schönen Ausklang des wirklich einzigartigen Konzertes.
Eine große Altersgruppe V erwartete die Juroren dann am Samstag. Auch hier bestätigte sich wieder das durchweg hohe Niveau der teilnehmenden Duos. Am Abend dann ein weiteres Konzerterlebnis der besonderen Art und ein erneuter Höhepunkt, der in Art und Gestaltung ergänzend, weil er völlig anders als Bisheriges war. Auf dem Programm stand Felix Mendelssohn-Bartholdys "Sommernachtstraum" in der Fassung für Klavier zu vier Händen. Den Organisatoren des Festivals war es mit Hilfe von Sponsoren gelungen, den Schauspiel-Weltstar Klaus-Maria Brandauer als Rezitator sowie das Klavierduo Andreas Grau / Götz Schumacher zu verpflichten. Die drei übertrafen alle Erwartungen und verzauberten das große Publikum, wobei Brandauer die Figuren des Shakespear' schen Textes mit so viel Leben und Gestalt erfüllte, dass man alles um sich herum vergaß. Ein wunderschöner Abend mit einem wirklich grandiosen Schauspieler der Extraklasse un deinem nicht minder begeisternden Klavierduo!

Klaus Maria Brandauer besuchte im Rahmen des Jubiläums-Konzerts "Ein Sommernachtstraum" am Samstag, 23. Mai 2009 die Kurstadt
Eriko Takezawa und Christioph Sischka kamen zum Konzert "Wasser in allen Aggregatzuständen" am Freitag, 22. Mai 2009 in die Siebentäler Therme

Der abschließende Sonntag brachte die letzte Runde des Wettbewerbes und am Abend das Abschlusskonzert, in dem die jeweiligen Sieger der verschiedenen Altersklassen sich nochmals dem Publikum präsentierten und es mit ausgewählten Werken begeisterten. Die verschiedenen Preise wurden von Yamaha und der Sparkasse Pforzheim gestiftet.
Ein erstklassiges Festival ging damit nach vier Tagen zu Ende, und man muss Christoph Sischka und seinem Organisatoren- und Helferteam zu dieser großartigen Leistung gratulieren, nicht zu vergessen die vielen "stillen" Helfer im Hintergrund, wie das Tourismusbüro und die Sponsoren wie EnBW, Yamaha und Sparkasse Pforzheim, die sowohl die Finanzierung der Konzerte als auch die Preise des Wettbewerbs ermöglichten. Es ist nicht sicher, ob man das alles noch toppen kann, aber bei dem Enthusiasmus und Einfallsreichtum, die die Festivalleitung auszeichnen, kann durchaus damit gerechnet werden! So bleibt nur zu wünschen, dass sich für das nächste Festival noch mehr Besucher und Musikfreunde nach Bad Herrenalb aufmachen.

Letzte Änderung: 09.09.2009 / 18:30 Uhr
Ausgedruckt am 11.09.2010 / 01:07