badherrenalb.de
DRUCKVERSION
zur Suche
zur Navigation
zum Inhalt
zum Seitenfuß

Symposium für Dokumentarfotografie

Nur schwarz-weiß, geöffnet aber für digitale Bearbeitungstechniken – klassisch also und doch modern – ist der Ansatz des Bad Herrenalber Fotosymposiums.

Alljährlich im Frühjahr veranstaltet die Stadt Bad Herrenalb eine Woche der Dokumentarfotografie. Fotografinnen oder Fotografen, nicht Amateure, sondern solche, die Ihr Brot damit verdienen (wollen) sind zur Teilnahme am Wettbewerb aufgefordert. Fünf davon werden eingeladen, eine Woche lang in der Stadt zu arbeiten.

Nicht allein auf sich gestellt, sondern gleichzeitig. Sie wohnen gemeinsam im selben Hotel der Stadt. Sie arbeiten zur selben Zeit am selben Thema. Gemeinsames Thema ist die Stadt: die Dokumentation über die Menschen und Situationen in einer kleinen Schwarzwaldstadt im Frühjahr. Das Foto also nicht (bloß) als Endprodukt sondern als (kommunikativer) Prozeß.

Über die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und die Auswahl der Sieger entscheidet eine Jury nach den Regeln der Kunst. Der Fotopreis der Stadt Bad Herrenalb ist mit insgesamt EUR 3000,- dotiert. Über die Jahre wächst eine Reihe, die eine Entwicklung der Stadt im Foto dokumentiert.

Die Idee stammt von Andreas Lobe, selber Fotograf, der das Fotosymposium gemeinsam mit Christina Ernst, Ethnologin, inhaltlich und technisch betreut und koordiniert.

Und es gibt sie doch ...

Entgegen der Einschätzung mancher Autoren gibt es sie nach wie vor, die Fotoreportage. Die Existenz der von ihr getragenen Magazine ist der Beweis dafür. Sicher sind es nicht immer dieselben Geschichten, die seit 100 Jahren erzählt werden. Auch das kulturelle Umfeld der Auftraggeber und Fotograf/inn/en ändert sich und damit die Erzählweise der Geschichten. Oder eben auch nicht. Das ist eine müßige Frage. Viel spannender ist es zu erkunden, unter welchen Bedingungen welche Geschichten entstehen.

Diese Bedingungen waren auch dieses Jahr wieder Thema eines Symposiums im Süden der Bundesrepublik, in einer kleinen Kurstadt im Schwarzwald. Entfernt von den Metropolen veranstaltete die Stadt Bad Herrenalb im Jahr 2001 zum dritten Mal das Symposium für Dokumentarfotografie.

Wenn sich die Teilnehmer/innen am Karlsruher Hauptbahnhof in die Stadtbahn nach Bad Herrenalb setzen, lassen sie mit jeder Station ihren hektischen Alltag ein Stück weiter zurück. Nicht selten treffen sie sich schon im ICE von Hamburg oder Berlin nach Stuttgart und vergessen die Zeit, wenn sie einmal anfangen, darüber zu reden, wie ihre Geschichten entstehen.

Beim 1. Symposium für Dokumentarfotografie konzentrierten sich die Fragen auf den Begriff des Dokuments.

Welche Hinweise geben uns Fotos im Hinblick auf ein bestimmtes Thema, zu Situationen und Prozessen? Worin liegt der Wert dieser subjektiven Zeugnisse? Welche Grenzen setzt eine dokumentarische Haltung gegenüber dem Einsatz von gestalterischen Techniken? Die Resonanz auf unsere drei Ausstellungen im Kurhaus einer Kleinstadt, in der ansonsten mit leichter konsumierbarer Kost gerechnet wird, verblüffte. Die Präsentation von „Werner Bischof – Europa 1945 - 1950“, ein Ausschnitt aus dem großartigen Werk des Magnum-Fotografen, berührte die Menschen.

In dieser Atmosphäre befassten sie sich mit einzelnen Bildern und fingen an, sie zu ihrer eigenen Geschichte in Beziehung zu setzen. Auch war die Bereitschaft groß, zu den in der Ausstellung „Dokument und Fälschung“ aufgeworfenen Fragen Position zu beziehen und in einer weiteren Ausstellung über durch die Technik gesetzten Grenzen zu reflektieren. Nicht wenig wunderten sich zunächst allerdings die Bewohner/innen und Kurgäste, als sie erfuhren, dass sich sechs Berufsfotograf/inn/en ihnen eine Woche lang auf den Fersen sein würden. Es siegte jedoch die Neugier und die Bereitschaft, sich einzulassen.

Im Mittelpunkt des 2. Symposiums für Dokumentarfotografie stand die subjektive Wiedergabe der erlebten Situationen. Es war gelungen, einen Virtuosen in der Umsetzung subjektiver Eindrücke für dokumentarische Ziele nach Bad Herrenalb einzuladen. In der Auswahl und Gegenüberstellung einmalig zeigten wir die Bildfolgen „Wahlkampfrituale“ und „Das Kölner Heil“ des Fotografen Bernd Arnold. Dieser subjektiven Analyse stand die persönliche Betroffenheit, die aus den Bildern der Ausstellung „Straßenkinder fotografieren ihre Welt“ sprach, gegenüber. Während im großen Angebot einer Metropole derartige Ereignisse untergehen, können sie in einem kleinen Ort nur schwer ignoriert werden. Sie erzeugen dort eine anregende Spannung. Diese Spannung und die Teilnehmer/innen des Vorjahres öffneten manche Türen einen Spalt mehr für die Arbeit der Fotograf/inn/en vor Ort. Eine gute Voraussetzung, um Geschichten einfühlend erzählen zu können.

Um die Reportage drehte sich das 3. Symposium für Dokumentarfotografie. Sie zählt zu den wichtigsten und interessantesten Möglichkeiten, wie Bildjournalist/inn/en heute ihre Fotos verkaufen und damit ihren Broterwerb sichern können. Die Veröffentlichung in einem der großen Magazine ist oft ausschlaggebend für die weiteren beruflichen Perspektiven. Dabei lässt sich die Abhängigkeit von Artdirektoren, Bildredakteuren und Grafikern nicht leugnen. Ihre Entscheidungen prägen in hohem Maße die Entwicklungen in der Dokumentarfotografie. In der Ausstellung „Layout: Hansel-Mieth-Preis 2000“ machten wir diese Abhängigkeiten zum Thema. Dieser Preis für engagierte Reportagen in Wort und Bild wird jährlich von der Agentur Zeitenspiegel in Stuttgart ausgeschrieben. Für unsere Präsentationen der Ergebnisse dieses Preises wählten wir aus zehn prämierten Arbeiten acht Beiträge aus, die bereits in einem Magazin veröffentlicht waren. Die eingereichte Bildstrecke stellten wir der Veröffentlichung beteiligten Berufsgruppen bei Magazinen auf ihnen vorgelegte Arbeiten? Welche Bilder werden ausgewählt, wie werden sie im Magazin präsentiert? In welchem Verhältnis stehen Wort und Bild?

Mit Ausschnitten aus dem Buch des Fotografen Arnold Crane, „On The Other Side Of The Camera“, setzten wir unsere Diskussionen über die Bedeutung von Subjektivität in der Dokumentarfotografie fort. Die Geschichtenerzähler/innen werden als Persönlichkeiten selbst Thema einer Geschichte.

Letzte Änderung: 18.10.2002 / 15:11 Uhr
Ausgedruckt am 08.09.2010 / 01:42